Die 36. Jahrestagung der Bundesarbeitsgemeinschaft Kinderdörfer fand am 2. und 3. April 2014 im Bethanien Kinder- und Jugenddorf Bergisch Gladbach statt.

Insgesamt nahmen 26 Vertreterinnen und Vertreter aus 22 Kinderdörfern an der Jahrestagung teil.

Hauptthema des ersten Tages war wie üblich ein allgemeiner Austausch der anwesenden KinderdorfleiterInnen über Aktuelles und Entwicklungen aus den Kinderdörfern.

Die Anfrage- und Belegungssituation stellt sich sehr unterschiedlich da – einige Kinderdörfer berichten von einem Rückgang der Anfragen oder gar Abbau von Plätzen. Andere sprechen von einer „noch guten" Belegungssituation. Zehn Kinderdörfer haben eine oder mehrere neue Kinderdorffamilien bzw. Wohngruppen eröffnet oder bereiten dies vor.
Vier Kinderdörfer haben (integrative) Kindergärten bzw. Kindertagesstätten übernommen bzw. bestehende erweitert / neue Plätze geschaffen.
Zwei TeilnehmerInnen berichten, dass das Alter der betreuten Kinder sinkt und mehr kleinere Kinder (unter 5 Jahren) betreut werden.
In mehreren Kinderdörfern ist der Fachkräftemangel ein (wachsendes) Problem.
Diverse Teilnehmer berichteten über Maßnahmen zur Prävention von (sexueller) Gewalt und zur Partizipation der Kinder und Jugendlichen.

An den allgemeinen Austausch schloss sich der Fachteil I an.

Fachteil 1: Alternativlos gut? Das Konzept Kinderdorffamilie

Bianca Müller vom Referat Angebots- und Qualitätsentwicklung SOS-Kinderdorf e.V. stellte die Ergebnisse ihrer Befragung vor. Sie betonte, dass der Befragung keine repräsentative Stichprobe zugrunde liege. Es ginge darum, Merkmale bzw. Auffälligkeiten aufzuspüren und das heterogene Feld der familienähnlichen Betreuung explorativ zu erschließen. Daraus könnten dann Anregungen für die Weiterentwicklung und Ausdifferenzierung der Betreuungssettings gezogen werden.
Nach der Vorstellung der Befragung gab sie folgende Fragen in die Runde, auf deren Grundlage ein Fachdiskurs stattfand:
Was heißt für uns Familialität bzw. familienähnliche Betreuung? Welche Modelle wollen wir unter dieser Bezeichnung etablieren? Wie gestalten wir Familialität in verschiedenen Settings?

Im Anschluss an den Fachteil fuhr man gemeinsam in die Kölner Innenstadt und nahm an einer Führung durch den Kölner Dom teil. Danach gab es ein gemeinsames Abendessen und Ausklang des Abends im Brauhaus.

Am Vormittag des zweiten Tages stand der Fachteil II auf dem Programm.

Fachteil 2: Kindeswohlgefährdung durch Gerichtsbeschluss?

Die Referentin Dorothea Wunderlin, Richterin am Oberlandesgericht München, machte in ihrem Impulsreferat deutlich, dass bei den Entscheidungen des Gerichts nur „gerichtsvertretbare Positionen" zählten. Das Gericht habe in erster Linie dafür zu sorgen, dass dem Grundgesetz und auf dieser Basis allen weiteren Gesetzen Geltung verschafft werde. Danach seien primär die Eltern des Kindes verantwortlich, sie definierten das Kindeswohl und hätten große Freiheiten. Der Staat sei nur „Wächter" und könne bei Grenzüberschreitungen die elterliche Sorge einschränken oder entziehen.
Es sei nicht die Aufgabe des Gerichts, fachliche Position zu beziehen. Richterin Wunderlin verband diese Aussagen mit einer Ermutigung, als Einrichtung fachlich Stellung zu beziehen und sich so in gerichtliche Entscheidungen einzubringen.

Im weiteren Verlauf der Tagung waren der Ständige Ausschuss, der Internetauftritt, die von BAG und Connect (ASK Hessen e.V.) organisierten Fortbildungen für Hausleitungen und der BAG-Kidocup Thema.

Die nächste Jahrestagung findet am 15. und 16. April 2015 in Berlin statt und wird vom ASK Berlin (Orga) und dem SOS Kinderdorf (Räumlichkeiten) veranstaltet. Der Ständige Ausschuss legt die Themen fest.