Die 35. Jahrestagung der BAG Kinderdörfer fand am 24. & 25. April 2013 im Pestalozzi – Kinder- und Jugenddorf Wahlwies statt.

Insgesamt nahmen 24 Vertreterinnen und Vertreter aus 21 Kinderdörfern an der Jahrestagung teil.

Hauptthema des ersten Tages war wie üblich ein allgemeiner Austausch der anwesenden KinderdorfleiterInnen über Aktuelles und Entwicklungen aus den Kinderdörfern. Dabei wurde deutlich, dass bundesweit eine gute Belegungssituation vorherrscht. In einigen Kinderdörfern werden nach wie vor Plätze im Bereich Jugendwohnungen ausgebaut bzw. Plätze von Kinderdorffamilien in Wohngruppenplätze umgewandelt. Überall wurde der Fachkräftemangel bzw. der schlechte Ausbildungsstand von pädagogischen Kräften für den Bereich der stationären Wohngruppen beklagt.

Zudem standen wieder zwei fachliche Themenschwerpunkte in den beiden Tagen auf der Tagesordnung. Fachthema I:

„Modell einer guten Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und freien Trägern der Jugendhilfe in der Region Heilbronn-Franken"

Kinderdorfleiter Heinrich Schüz vom ASK-Kinderdorf Württemberg und Jugendamtsleiter Josef Grochla vom Jugendamt Hohenlohekreis stellten ein Konzept ihrer Zusammenarbeit vor. Dabei betonten beide Referenten, dass eine „partnerschaftliche Grundhaltung" ein „Agieren auf Augenhöhe" oder dass „eine förderliche Erziehungshilfe nur als Koproduktionsprozess gelingen kann!" nicht Worthülsen sein müssen, sondern in der Region Heilbronn-Franken gelebte Jugendhilfe sind. Davon zeugt ein gemeinsam zwischen den vier Jugendämtern und allen freien Trägern der Region entwickeltes sog. QMF (Qualitätsmanagement der Region Heilbronn-Franken). Nähere Informationen unter: www.qmf-jugendhilfe.de

Der Tag klang aus mit einem gemeinsamen Abendessen direkt am Bodensee, informativem „Small-talk" und Fußball Champions-League.

Das Fachthema II läutete den zweiten Tag ein und behandelte:

„Das Konzept von Haim Omer als Handlungsmodell und Grundhaltung für ein ganzes Kinderdorf"

Der Kinderdorfleiter Martin Kramm referierte dieses Thema in zwei Teilen. Im ersten Teil veranschaulichte er sehr lebhaft und eindrucksvoll, warum sich das Bethanien Kinder- und Jugenddorf Bergisch-Gladbach entschieden hatte, die Grundhaltung Haim Omer's in ihrer Einrichtung einzuführen, während er im zweiten Teil das Konzept „Autorität durch Beziehung" näher vorstellte. Martin Kramm sprach vom „Geist der Gewaltfreiheit, aber auch der Beharrlichkeit im Widerstand und echter Präsenz der MitarbeiterInnen im pädagogischen Alltag". Das Omer'sche Handlungskonzept habe, so Kramm, in der täglichen Arbeit Vieles einfacher gemacht, KollegInnen würden nun mutiger und souveräner agieren. Die sachliche Überregulierung im pädagogischen Handeln, Überstrukturierungen im Tagesgeschehen oder der Teufelskreis von Konsequenzautomatismen seien durch die neue Autorität spürbar zurück gegangen.

Im weiteren Verlauf der Tagung beschloss das Gremium die Weiterführung der Fortbildungen für Hausleitungen/Kinderdorfeltern, und der KiDo-Cup war Diskussionsthema. Im Nachtrag zur BAG-Tagung konnten folgende Ausrichter für die nächsten beiden Jahre gewonnen werden: 2014 Westfälisches Kinderdorf Lipperland in Barntrup, 2015 Caritas Kinderdorf Irschenberg.

Zum Abschluss der Tagung wurde Herr Jürgen Förster, Leiter des SOS-Kinderdorf Sachsen, als langjähriges BAG-Mitglied mit einem bio-dynamischen Präsentkorb aus dem Pestalozzi-Kinderdorf-eigenen Naturkostladen in die Freistellungsphase seiner Altersteilzeit verabschiedet.

Die nächste BAG-Jahrestagung findet am 02. und 03. April 2014 im Bethanien Kinder- und Jugenddorf Bergisch-Gladbach statt.